Wer in Sachsenhausen wohnt oder am Wochenende durch das Apfelweinviertel zieht, kennt die Schlagzeilen: Schlägereien in Alt-Sachsenhausen, eine eigene Waffenverbotszone für die Partymeile und immer wieder Diskussionen über mehr Videoüberwachung.[5] Doch wie sieht das Lagebild wirklich aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?
Wir haben die Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Frankfurt (Stand 2025)[1] und die Daten des Frankfurter Statistikportals[3] ausgewertet. Wichtig vorweg, weil es ehrlich gesagt sein muss: anders als Berlin veröffentlicht die Frankfurter Polizei keine Kriminalstatistik auf Ebene einzelner Stadtteile. Es gibt also keine offizielle Zahl "Straftaten in Sachsenhausen pro 100.000 Einwohner". Wir zeigen deshalb die belastbaren gesamtstädtischen Zahlen, ordnen sie ein und tragen zusammen, was über Sachsenhausen als Brennpunkt tatsächlich dokumentiert ist.
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Frankfurt?
- Gibt es eigene Kriminalzahlen für Sachsenhausen?
- Die häufigsten Delikte in Frankfurt
- Brennpunkt Alt-Sachsenhausen: Waffenverbotszone und Videoüberwachung
- Kriminalität in Frankfurt im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in Sachsenhausen
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Frankfurt?
Im Jahr 2025 hat die Polizei in ganz Frankfurt insgesamt 113.603 Straftaten[1] erfasst. Das sind nur 336 Fälle mehr als im Vorjahr (113.267 Straftaten in 2024), ein Anstieg um 0,3 Prozent. Die Gesamtzahl bewegt sich damit auf nahezu gleichem Niveau wie im Vorjahr und auch wie vor der Corona-Pandemie.
Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist die Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Für Frankfurt lag sie 2025 bei 14.624.[1] Das ist ein hoher Wert: Frankfurt liegt damit regelmäßig an der Spitze der deutschen Großstädte. Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 62,5 Prozent, also fast zwei von drei Fällen.
Warum Frankfurt bei der Häufigkeitszahl so weit oben steht
Die hohe Frankfurter Häufigkeitszahl von 14.624 bedeutet nicht automatisch, dass du als Anwohner überdurchschnittlich gefährdet bist. In die Frankfurter Statistik fließen Delikte ein, die viele Nicht-Frankfurter betreffen: Straftaten am Flughafen mit rund 60 Millionen Passagieren im Jahr, einreisebedingte Urkundenfälschungen, Taten auf Bahngelände und die enorme Zahl an Pendlern und Tagesgästen. Die Häufigkeitszahl rechnet diese Taten auf die rund 777.000 gemeldeten Einwohner um, obwohl ein Teil der Täter und Opfer gar nicht in Frankfurt wohnt.[4]
Gibt es eigene Kriminalzahlen für Sachsenhausen?
Kurz gesagt: nein, jedenfalls nicht in der Form, die viele erwarten. Das Polizeipräsidium Frankfurt weist seine Kriminalstatistik für das gesamte Stadtgebiet aus und hebt einzelne Brennpunkte gesondert hervor, vor allem das Bahnhofsgebiet und die Ausgehmeile Alt-Sachsenhausen.[1] Eine flächendeckende Tabelle mit Fallzahlen je Stadtteil, wie sie etwa der Berliner Kriminalitätsatlas liefert, existiert für Frankfurt nicht.
Das Frankfurter Statistikportal des Bürgeramts, Statistik und Wahlen veröffentlicht zwar sehr detaillierte Stadtteildaten zu Bevölkerung, Wohnen und Sozialstruktur, aber keine Kriminalitätsstatistik auf Stadtteilebene.[3] Wer also behauptet, Sachsenhausen liege bei den Straftaten pro 100.000 Einwohner auf einem bestimmten Rang, beruft sich auf eine Zahl, die es offiziell nicht gibt. Was sich belegen lässt, ist die Rolle von Alt-Sachsenhausen als nächtlicher Brennpunkt. Dazu unten mehr.
Zur Einordnung der Größenordnung: Sachsenhausen ist flächen- und einwohnermäßig einer der größten Frankfurter Stadtteile. Sachsenhausen-Nord zählte Mitte 2024 rund 32.600 Einwohner, Sachsenhausen-Süd kommt auf etwa 28.000 (Stand 2018, neuere Stadtteilwerte schwanken leicht).[3] Mehr dazu findest du in unserem Überblick zu den Einwohnern von Sachsenhausen.
Die häufigsten Delikte in Frankfurt
Wie überall macht Diebstahl auch in Frankfurt den größten Anteil aus. Daneben sind 2025 vor allem die Gewaltdelikte und der Wohnungseinbruch auffällig gestiegen. Die folgende Übersicht zeigt ausgewählte Deliktgruppen für das gesamte Stadtgebiet (eine Aufschlüsselung auf Sachsenhausen ist nicht verfügbar):
| Delikt (Frankfurt gesamt) | Fälle 2025 | Trend ggü. 2024 |
|---|---|---|
| Rohheitsdelikte (Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung) | 16.005 | steigend (4. Jahr in Folge) |
| Häusliche Gewalt | 2.281 | plus 10,7 % |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 1.772 | plus 9,2 % |
| Wohnungseinbruchdiebstahl | 1.333 | plus 26,6 % |
| Rauschgifthandel | 745 | mehr als verdoppelt |
| Straßenraub | 564 | Aufklärung 48,9 % |
| Taschendiebstahl | 2.433 | minus 22,7 % |
| Angriffe mit Messern | 120 | von 142 gesunken |
Was hinter den Zahlen steckt:
- Gewaltdelikte steigen das vierte Jahr in Folge. Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung summieren sich 2025 auf 16.005 Fälle, ein Plus von rund 1.485 gegenüber 14.520 im Vorjahr. Die Polizeiführung spricht offen von einer zunehmenden Verrohung im öffentlichen Raum.
- Wohnungseinbruch zieht spürbar an. 1.333 Fälle bedeuten ein Plus von 26,6 Prozent. Wer in Sachsenhausen in einem Altbau im Erdgeschoss oder im Hochparterre wohnt, sollte bei Fenster- und Türsicherung nicht sparen.
- Taschendiebstahl und Messerangriffe gehen zurück. Taschendiebstahl sank um 22,7 Prozent, dokumentierte Messerangriffe von 142 auf 120 Fälle. Bei den Messern führt die Polizei den Rückgang unter anderem auf die Waffenverbotszonen zurück.
- Der Rauschgifthandel hat sich mehr als verdoppelt. 745 Fälle bedeuten allerdings auch verstärkte Kontrollen: Rauschgiftdelikte sind ein klassisches Kontrolldelikt, mehr Kontrollen erzeugen mehr Fälle.
Brennpunkt Alt-Sachsenhausen: Waffenverbotszone und Videoüberwachung
Sachsenhausen taucht in der Frankfurter Sicherheitsdebatte vor allem über einen Ort auf: das Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen mit seinen Apfelweinlokalen, Bars und Clubs. An Wochenendnächten kommt es dort regelmäßig zu Schlägereien und teils zu Angriffen mit Messern.
Die Stadt hat deshalb zum 1. Januar 2025 eine eigene Waffenverbotszone für Alt-Sachsenhausen eingerichtet.[2] Sie gilt an den Wochenenden in den besonders kritischen Nachtstunden, jeweils von Freitag 20 Uhr bis Samstag 6 Uhr und von Samstag 20 Uhr bis Sonntag 6 Uhr. In dieser Zeit ist das Mitführen von Messern und anderen gefährlichen Gegenständen verboten, die Polizei darf verdachtsunabhängig kontrollieren.
Erste Bilanz: Bis Ende April 2025 stellte die Polizei in Alt-Sachsenhausen 15 Waffen und gefährliche Gegenstände sicher, darunter 13 Messer.[2] Damit ist Alt-Sachsenhausen nach dem Bahnhofsgebiet die zweite Waffenverbotszone im Frankfurter Stadtgebiet. Zusätzlich wurde über eine Ausweitung der Videoüberwachung an den Wochenendnächten diskutiert. Stadtweit konnten über Kameras bis Oktober 2024 rund 670 Tatverdächtige identifiziert werden, der Großteil davon allerdings im Bahnhofsgebiet.[1]
Tagsüber gilt Sachsenhausen, von der Museumsufer-Promenade bis zu den Wohnstraßen rund um den Lokalbahnhof, als lebendiges und überwiegend ruhiges Wohnviertel. Die Brennpunktlage betrifft im Kern die nächtliche Ausgehmeile, nicht den Stadtteil als Ganzes.
Kriminalität in Frankfurt im Zeitverlauf
Über die letzten Jahre sind die Frankfurter Fallzahlen, abgesehen vom Corona-Einbruch 2020 und 2021, bemerkenswert stabil geblieben. Der Tiefststand fiel mit 96.449 Fällen ins Pandemiejahr 2021, danach kletterten die Werte wieder auf das Vor-Corona-Niveau von rund 113.000 bis 115.000 Straftaten pro Jahr.
Erfasste Straftaten in Frankfurt am Main pro Jahr. Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik, Polizeipräsidium Frankfurt. 2020 ohne belastbaren Einzelwert dargestellt.
Auch die Häufigkeitszahl ist über die Jahre eher gesunken als gestiegen. 2019 lag sie noch bei 15.194 pro 100.000 Einwohner, 2022 bei 14.363, 2023 bei 14.872 und 2025 bei 14.624. Frankfurt ist gemessen an der Einwohnerzahl also nicht spürbar unsicherer geworden, die Stadt wächst vielmehr weiter, während die Fallzahlen stabil bleiben.
Wer sind die Tatverdächtigen?
Hinweis zur Datenebene
Detaillierte Angaben zur Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen veröffentlicht die Polizei nicht auf Stadtteilebene. Die folgenden Anteile gelten bundesweit beziehungsweise für das gesamte Stadtgebiet und lassen sich nicht auf Sachsenhausen übertragen.
Bundesweit lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2025 bei 38,5 Prozent und blieb damit gegenüber dem Vorjahr konstant.[6] Für Frankfurt fällt dieser Anteil traditionell höher aus als im Bundesschnitt. Das hat strukturelle Gründe, die man kennen sollte, bevor man die Zahl weitergibt.
Frankfurt ist internationaler Verkehrsknoten mit dem größten deutschen Flughafen, hohem Tourismus- und Pendleraufkommen und einer überdurchschnittlich jungen, internationalen Wohnbevölkerung. Ein erheblicher Teil der in Frankfurt registrierten Tatverdächtigen wohnt gar nicht in der Stadt. Bei einreisebedingten Delikten am Flughafen, etwa Urkundenfälschung oder Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz, können naturgemäß nur Nichtdeutsche als Tatverdächtige auftauchen.[4]
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[6] Bis zum Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
- "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Ein in Frankfurt geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist.
- Touristen, Pendler und Reisende sind enthalten. Wer als Tagesgast in Frankfurt eine Straftat begeht, taucht in der Frankfurter Statistik auf, obwohl er anderswo wohnt. Bei einer Pendler- und Flughafenstadt verzerrt das die Häufigkeitszahl nach oben.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten kriminalitätsbelastete Gruppe. Wo viele junge Männer leben oder sich aufhalten, etwa in einem Ausgehviertel wie Alt-Sachsenhausen, sind die Fallzahlen rechnerisch höher.
- Kontroll- und Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Rauschgift- und Aufenthaltsdelikte werden überhaupt erst durch Kontrollen sichtbar. Mehr Kontrollen in einer Waffenverbotszone erzeugen mehr registrierte Fälle, ohne dass sich die tatsächliche Lage geändert haben muss.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Sachsenhausen
Wie sicher ist Sachsenhausen?
Tagsüber gilt Sachsenhausen als lebendiges, überwiegend ruhiges Wohnviertel, von der Museumsufer-Promenade bis zu den Wohnlagen rund um den Lokalbahnhof. Der dokumentierte Brennpunkt ist das nächtliche Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen, für das seit 2025 eine eigene Waffenverbotszone an Wochenendnächten gilt. Offizielle Kriminalzahlen speziell für den Stadtteil veröffentlicht die Frankfurter Polizei nicht.
Gibt es eine offizielle Kriminalitätsrate für Sachsenhausen?
Nein. Das Polizeipräsidium Frankfurt führt seine Kriminalstatistik für das gesamte Stadtgebiet und hebt einzelne Brennpunkte wie das Bahnhofsgebiet und Alt-Sachsenhausen hervor. Eine flächendeckende Tabelle "Straftaten je 100.000 Einwohner pro Stadtteil", wie sie der Berliner Kriminalitätsatlas liefert, gibt es für Frankfurt nicht. Auch das Frankfurter Statistikportal veröffentlicht keine Kriminalitätsdaten auf Stadtteilebene.
Was ist die Waffenverbotszone in Alt-Sachsenhausen?
Seit dem 1. Januar 2025 gilt in Alt-Sachsenhausen an den Wochenenden eine Waffenverbotszone, jeweils Freitag und Samstag von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens. In dieser Zeit dürfen keine Messer oder anderen gefährlichen Gegenstände mitgeführt werden, und die Polizei darf verdachtsunabhängig kontrollieren. Bis Ende April 2025 wurden dort 15 Waffen sichergestellt, darunter 13 Messer.
Wie hoch ist die Kriminalität in Frankfurt insgesamt?
2025 registrierte die Polizei in Frankfurt 113.603 Straftaten bei einer Häufigkeitszahl von 14.624 pro 100.000 Einwohner. Frankfurt liegt damit regelmäßig an der Spitze der deutschen Großstädte. Ein Teil dieses hohen Werts erklärt sich aber durch Flughafen, Pendler und Tagesgäste, deren Taten der gemeldeten Einwohnerzahl zugerechnet werden.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Frankfurt?
Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 62,5 Prozent, also fast zwei von drei Fällen. In den Vorjahren war sie teils höher, 2023 etwa bei 65,6 Prozent. Eine eigene Aufklärungsquote für Sachsenhausen wird nicht ausgewiesen.
Wie hat sich die Kriminalität in Frankfurt entwickelt?
Abgesehen vom Corona-Tief 2021 (96.449 Fälle) liegen die Fallzahlen seit Jahren stabil bei rund 113.000 bis 115.000 Straftaten. Die Häufigkeitszahl ist gegenüber 2019 (15.194) sogar leicht gesunken. Auffällig steigend sind seit vier Jahren die Gewaltdelikte sowie 2025 der Wohnungseinbruch.