Sachsenhausen ist die Wohnadresse, nach der sich viele Frankfurter strecken: Altbauquartiere und Apfelweinwirtschaften im Norden, grünes Wohnen am Stadtwald und die Villenlagen am Lerchesberg im Süden. Diese Beliebtheit hat ihren Preis. Wer hier eine Wohnung neu anmietet, eine Mieterhöhung bekommt oder einfach wissen will, ob der eigene Vertrag noch marktgerecht ist, kommt am Frankfurter Mietspiegel nicht vorbei.
Frankfurt hat sein Mietniveau gerade neu vermessen. Der bisher geltende Mietspiegel 2024 läuft am 31. Mai 2026 aus, der Nachfolger für 2026 steht in den Startlöchern.1 Dieser Service-Artikel erklärt Schritt für Schritt, was der Mietspiegel überhaupt ist, wie du die Tabelle liest, welche Wohnlage dein Teil von Sachsenhausen hat und wie du in wenigen Minuten die ortsübliche Vergleichsmiete prüfst.
- Was der Mietspiegel ist und wofür er rechtlich gilt
- Aktueller Stand: Mietspiegel 2024 läuft aus, Mietspiegel 2026 kommt
- So liest du die Mietspiegeltabelle
- Sachsenhausen nach Wohnlage: Nord, Süd und der Lerchesberg
- Sachsenhausen im Frankfurter Vergleich
- Den eigenen Wert online ermitteln
- Mieterhöhung prüfen: das Wichtigste in Kürze
- Ausblick: Mietspiegel 2026 und die Frankfurter Wohnpolitik
- Quellen
Was der Mietspiegel ist und wofür er rechtlich gilt
Der Mietspiegel ist eine offizielle Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete in Frankfurt am Main. Er zeigt, welche Nettokaltmiete pro Quadratmeter für eine bestimmte Art von Wohnung in der Stadt üblich ist. Herausgegeben wird er von der Stadt Frankfurt, konkret vom Amt für Wohnungswesen, erarbeitet vom unabhängigen Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt.2
Rechtlich basiert der Mietspiegel auf den Paragrafen 558 und 558d des Bürgerlichen Gesetzbuchs.3 Frankfurt verfügt über einen sogenannten qualifizierten Mietspiegel. Das bedeutet: Er ist nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt und genießt vor Gericht eine Vermutungswirkung.4 Wer eine Mieterhöhung über die im Mietspiegel ausgewiesene Spanne hinaus begründen will, muss höhere vergleichbare Mieten nachweisen, was in der Praxis selten gelingt.
Der Mietspiegel hat damit drei zentrale Funktionen. Erstens dient er als Grundlage für Mieterhöhungen im laufenden Mietverhältnis, die nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete zulässig sind. Zweitens wird er bei der Mietpreisbremse für Neuvermietungen herangezogen. Drittens ist er Schiedsrichter in jeder Auseinandersetzung über die angemessene Miete.
Aktueller Stand: Mietspiegel 2024 läuft aus, Mietspiegel 2026 kommt
Hier ist der wichtige Hinweis für alle, die gerade jetzt eine Miete prüfen: Frankfurt steht mitten im Übergang zwischen zwei Mietspiegeln. Der Mietspiegel 2024 gilt seit dem 1. Juni 2024 und ist offiziell noch bis zum 31. Mai 2026 in Kraft.1 Er war eine stichprobenbasierte Fortschreibung des Mietspiegels 2022, für die rund 3.500 Mieterhaushalte befragt wurden. Der sogenannte Stichprobenmittelwert der Nettokaltmieten lag dabei bei 11,50 Euro pro Quadratmeter, gegenüber 10,29 Euro im Jahr 2022, ein Anstieg von rund 11,76 Prozent in zwei Jahren.5
Der Nachfolger, der Mietspiegel 2026, wurde vom Magistrat bereits anerkannt. Die Stadtverordnetenversammlung soll ihn am 25. Juni 2026 beschließen, in Kraft tritt er voraussichtlich erst danach, also frühestens zum 1. Juli 2026.6 Stand dieses Artikels (Juni 2026) ist damit weiterhin der Mietspiegel 2024 das rechtlich maßgebliche Werk. Wer aktuell eine Mieterhöhung prüft, sollte das Datum des Schreibens mit dem Gültigkeitszeitraum abgleichen.
Die neue Ausgabe weist nach Angaben der Stadt eine durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete von 12,28 Euro pro Quadratmeter aus, das sind 6,8 Prozent mehr als im Mietspiegel 2024.7 Wichtig: Diese Zahl liegt deutlich unter den Angebotsmieten auf den großen Immobilienportalen, weil der Mietspiegel den realen Bestand inklusive aller älteren, günstigeren Verträge abbildet, nicht das, was Vermieter heute neu aufrufen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Aktuell gültig (Stand Juni 2026) | Mietspiegel 2024 |
| Gültig vom | 1. Juni 2024 bis 31. Mai 2026 |
| Nachfolger | Mietspiegel 2026 (Beschluss 25. Juni 2026) |
| Herausgeber | Stadt Frankfurt / IWU Darmstadt |
| Datenbasis 2024 | rund 3.500 befragte Haushalte |
| Stichprobenmittelwert 2024 | 11,50 EUR/m² |
| Stichprobenmittelwert 2022 | 10,29 EUR/m² |
| Veränderung 2022 zu 2024 | +11,76 % |
| Ø Vergleichsmiete Mietspiegel 2026 | 12,28 EUR/m² (+6,8 %) |
| Nächste Ausgabe | 2028 |
Hinweis
Der Mietspiegel gilt nicht für preisgebundenen Wohnraum (Sozialwohnungen), möblierte Vermietungen, Wohnheime sowie einige Ein- und Zweifamilienhäuser. Für diese Wohnformen gelten gesonderte Regeln.
So liest du die Mietspiegeltabelle
Auf den ersten Blick wirkt der Frankfurter Mietspiegel komplex, im Kern besteht er aber aus klaren Bausteinen: einer Grundmiettabelle, einer Tabelle mit Zu- und Abschlägen sowie einer Wohnlagenkarte, auf der jede Adresse einer Lagestufe zugeordnet ist.
1. Baualtersklasse und Wohnungsgröße
Die Grundmiettabelle ist nach Baualtersklassen und Wohnungsgrößen gegliedert. Maßgeblich ist die Klasse, in der das Gebäude errichtet wurde, abgewichen werden darf davon nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa bei einer umfassenden Modernisierung.8 Je älter und je kleiner eine Wohnung, desto höher fällt der Quadratmeterpreis tendenziell aus, ein typisches Muster, das gerade die kleinen Altbauwohnungen in Sachsenhausen-Nord betrifft.
In jedem Tabellenfeld stehen Spannen, kein einzelner Festpreis. Der Mittelwert ist die statistisch durchschnittliche Nettokaltmiete für diese Wohnungsklasse, die Spanne nach unten und oben bildet die übliche Streuung in der Praxis ab.
2. Die Wohnlage: das System der Lagestufen
Anders als Berlin arbeitet Frankfurt mit einer farbigen Wohnlagenkarte, in der jeder Straßenabschnitt einer Lagestufe zugeordnet ist. Im Mietspiegel 2024 wurden die Lagen noch grob in einfache, mittlere und gute beziehungsweise sehr gute Lagen unterteilt. Eine zentrale methodische Neuerung des Mietspiegels 2026: Die Stadt verfeinert die Einstufung auf zehn Lagekategorien, um Unterschiede präziser abzubilden.7 Für Sachsenhausen mit seiner großen Bandbreite vom dichten Altbauquartier bis zur Villenlage ist diese Differenzierung besonders relevant.
3. Ausstattung und Sondermerkmale
Der eigentliche Wert wird abschließend durch ein System aus Zu- und Abschlägen verfeinert. Geprüft werden Merkmale von Bad, Küche, Wohnung, Gebäude und Wohnumfeld, vom modernen Bad über hochwertige Bodenbeläge bis zur energetischen Sanierung.8 Im Mietspiegel 2026 werden einzelne Merkmale, darunter die energetische Modernisierung, neu gewichtet.7 Am Ende ergibt sich aus dem Grundwert plus oder minus den Zu- und Abschlägen die konkrete ortsübliche Vergleichsmiete für genau diese Wohnung.
Sachsenhausen nach Wohnlage: Nord, Süd und der Lerchesberg
Sachsenhausen ist nicht aus einem Guss. Der Stadtteil mit rund 60.000 Einwohnern teilt sich entlang der Mörfelder Landstraße in Sachsenhausen-Nord und Sachsenhausen-Süd.9 Die folgende Übersicht ordnet die Quartiere grob ein. Maßgeblich bleibt im Einzelfall immer die offizielle Wohnlagenkarte zum Mietspiegel, in der für jede Adresse die genaue Lage hinterlegt ist.10
| Quartier | Tendenzielle Wohnlage | Prägung |
|---|---|---|
| Sachsenhausen-Nord | mittel bis gut | dichte Altbauquartiere, Schweizer Straße als elegante Einkaufslage, Museumsufer, hohe Nachfrage |
| Alt-Sachsenhausen | mittel, lagebedingt schwankend | historisches Apfelweinviertel mit Kopfsteinpflaster, lebhaft, von Gastronomie und Nachtleben geprägt |
| Sachsenhausen-Süd | gut bis sehr gut | grünes Wohnen am Stadtwald, ruhigere Lagen, gehobene Einfamilienhausgebiete |
| Lerchesberg | sehr gut | Villenlage am Stadtwald, gilt als eine der teuersten Wohnadressen Frankfurts |
Gerade in Sachsenhausen liegen einfache, mittlere und sehr gute Lagen oft dicht beieinander. Eine Straße weiter kann die Einstufung schon anders ausfallen, deshalb lohnt vor jeder Mietprüfung der Blick in die Wohnlagenkarte. Wer tiefer in die Struktur des Stadtteils einsteigen will, findet in unserer Übersicht zu den Stadtteilen von Sachsenhausen die Abgrenzungen im Detail.
Sachsenhausen im Frankfurter Vergleich
Sachsenhausen zählt zu den gefragtesten und damit teureren Wohnlagen Frankfurts. Bei den Angebotsmieten, also dem, was aktuell neu vermietet wird, liegt der Stadtteil klar über dem Stadtdurchschnitt. Marktbeobachtungen weisen für Sachsenhausen eine durchschnittliche Angebotsmiete von rund 14,40 Euro pro Quadratmeter aus, mit einer Steigerung von etwa 6 Prozent binnen eines Jahres.11 Je nach Quartier reichen die Angebote von rund 14 bis über 18 Euro pro Quadratmeter, in Spitzenlagen auch darüber.12
Im stadtweiten Ranking ordnet sich Sachsenhausen damit im oberen Drittel ein, hinter Spitzenreitern wie dem Westend, aber deutlich über den günstigsten Stadtteilen wie Fechenheim, Höchst oder Griesheim, wo Angebotsmieten teils bei 9 bis 12 Euro pro Quadratmeter beginnen.12
Wichtig für die Einordnung: Diese Angebotsmieten sind nicht die ortsübliche Vergleichsmiete. Wer eine bestehende Wohnung hat, dessen rechtlich relevanter Wert liegt fast immer unter dem Portalniveau, weil der Mietspiegel den gesamten Bestand abbildet. Wie sich die hohen Wohnkosten auf das Gesamtbudget auswirken, beleuchten wir gesondert in unserem Ratgeber zu den Lebenshaltungskosten in Sachsenhausen.
Den eigenen Wert online ermitteln
Wer für eine konkrete Wohnung in Sachsenhausen die ortsübliche Vergleichsmiete bestimmen möchte, muss nicht mit der gedruckten Broschüre arbeiten. Die Stadt Frankfurt stellt einen offiziellen Online-Mietspiegelrechner bereit, der dich Schritt für Schritt durch die Berechnung führt.13 Abgefragt werden dabei:
- Adresse der Wohnung (das System liefert die Wohnlage aus der Karte)
- Baualtersklasse des Gebäudes
- Wohnungsgröße in Quadratmetern
- Ausstattung von Bad, Küche, Wohnung, Gebäude und Wohnumfeld
- Sondermerkmale wie Aufzug, Balkon oder hochwertige Bodenbeläge
Am Ende gibt der Rechner einen Mietpreisspielraum aus, also Unter-, Mittel- und Oberwert. Dieser Wert ist die offizielle ortsübliche Vergleichsmiete für genau diese Wohnung. Die Nutzung ist kostenfrei. Zusätzlich gibt es die Mietspiegelbroschüre mit Tabellen und Wohnlagenkarte als PDF auf den Seiten der Stadt.2
Hinweis
Bei rechtlichen Fragen rund um eine Mieterhöhung oder die Mietpreisbremse beraten in Frankfurt unter anderem der Mieterbund und der Mieterschutzverein Frankfurt. Vermieter finden Rat bei Haus und Grund Frankfurt, das auch einen eigenen Mietspiegelrechner anbietet.
Mieterhöhung prüfen: das Wichtigste in Kürze
Eine Mieterhöhung im Bestand ist nur unter mehreren Bedingungen zulässig. Die Miete muss seit mindestens 15 Monaten unverändert sein, sie darf nicht mehr als 20 Prozent innerhalb von drei Jahren steigen (in Frankfurt durch die Kappungsgrenze nur 15 Prozent) und sie darf die ortsübliche Vergleichsmiete nicht überschreiten.3
Bei der Mietpreisbremse für Neuvermietungen ist die Rechtslage in Hessen derzeit allerdings unsicher. Die Landesregierung hatte die Mieterschutzverordnung im November 2025 verlängert, das Amtsgericht Frankfurt erklärte diese Verlängerung jedoch in einem Mietstreit für unwirksam.14 Im Grundsatz begrenzt die Mietpreisbremse den Neuvertrag in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete, ob und in welcher Form sie in Frankfurt aktuell durchsetzbar ist, sollte im konkreten Fall geprüft werden.
Wer eine Mieterhöhung erhält, sollte sie nicht ungeprüft unterschreiben. Anhand des Mietspiegels lässt sich in wenigen Minuten überprüfen, ob das Schreiben formell korrekt ist und ob der geforderte Betrag tatsächlich der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht. Wird die Mietspiegelobergrenze überschritten, ist die Erhöhung in dieser Höhe nicht durchsetzbar.
Ausblick: Mietspiegel 2026 und die Frankfurter Wohnpolitik
Frankfurt erstellt seinen Mietspiegel im Zwei-Jahres-Rhythmus. Mit dem Beschluss am 25. Juni 2026 löst die neue Ausgabe den Mietspiegel 2024 ab, die übernächste ist damit für 2028 zu erwarten.6 Neu ist nicht nur das höhere Niveau von 12,28 Euro pro Quadratmeter, sondern auch eine gesetzliche Auskunftspflicht für Eigentümer, Vermieter und Mieter, die die Datenbasis künftig breiter und belastbarer machen soll.7
Für Sachsenhausen bleibt die Linie absehbar: ein gefragter, eher hochpreisiger Stadtteil, in dem das feinere System aus zehn Lagekategorien die großen Unterschiede zwischen dem dichten Alt-Sachsenhausen und den Villenlagen am Lerchesberg deutlicher abbildet als bisher. Wer hier wohnt oder einziehen will, fährt am besten, wenn er vor jeder Mietentscheidung den offiziellen Mietspiegelrechner bemüht, in zehn Minuten erledigt.